Chronik der Freiwilligen Feuerwehr
Gelting
(Verfasser: Ludwig Schuler)
In Bayern war die Hilfeleistung bei Brandfällen auf allgemeiner
Löschpflicht aufgebaut. Von den Gemeinden wurden Ledereimer und
sonstige notdürftige "Löschutensilien" zur Verfügung
gestellt. Obwohl die Bürger im Brandfalle Hilfe leisteten,
brannten die Gehöfte in den meisten Fällen total nieder, da es
kaum organisierte, auf den Ernstfall vorbereitete Mannschaften
gab. Dies gab wohl den Ausschlag, geübte, Freiwillige
Feuerwehren entstehen zu lassen.
Das erste amtliche Dokument, in dem die Gründung der
Freiwilligen Feuerwehr Gelting beschlossen wird, ist zugleich
auch das der Freiwilligen Feuerwehr von Pliening. Da die
Gemeinden Gelting und Pliening die Schule, die
Gemeindeverwaltung, das Standesamt, den Gemeindeschreiber und
Protokollführer (jeweils der Lehrer) teilten und seit
Jahrhunderten auch gemeinsam in der Kirchengemeinde verbunden
sind, ist es nicht verwunderlich, daß man auch bei der Gründung
der Feuerwehr ökonomisch dachte und gemeinsam handelte. So wurde
am 25. Februar 1860 in Gelting der Beschluß gefaßt, gemeinsam
mit Pliening eine "Feuerspritze" nebst
Feuerlöschrequisiten anzukaufen, sowie ein "Feuerhaus" im Mittelpunkt der beiden Gemeinden, also in Pliening, zu
erstellen und die Spritze dort unterzubringen.
Bis zum Jahre 1860 gehörte Gelting zum Feuerlöschbezirk Markt
Schwaben (Pliening zu Parsdorf). Beide Gemeinden bildeten nun
einen eigenen Feuerlöschbezirk und verzichteten auf
Entschädigung von Markt Schwaben und Parsdorf. Bei der
Gemeindeversammlung in Gelting waren 101 Bürger von Pliening und
Gelting anwesend. In Gegenwart der Vorsteher (Bürgermeister)
Sebastian Zollner, Gelting, Josef Feicht, Pliening, den
Ausschußmitgliedern (Gemeinderäte) Balthasar Huber, Melchior
Mayr, Gelting, Bartholomä Karrer, Christof Popp, Pliening,
beauftragte man ferner:
1. Franz Königer, "Wirth" in Landsham
2. Josef Feicht, "Vorsteher" in Pliening
3. Alois Drexler, "Wirth" in Pliening
4. Lorenz Huber, Gelting
die nötigen Schritte zu "thun" zur
"Erkaufung" der Feuerspritze und nötigen
"Requisiten". Protokollführer und Gemeindeschreiber
war der Lehrer Gottlieb Kalteis.
Am 6. Mai 1860, 2 Uhr nachmittags, war nochmalig Versammlung,
diesmal in Pliening. Beide Gemeinden zählten zusammen 131
Mitglieder. Davon hatten sich 101 Mitglieder für die Gründung
der Feuerwehr ausgesprochen. Noch im gleichen Jahr wurde das
"Feuerhaus" in Pliening erbaut und bei
"Bachmaier" in Erding eine Spritze um 684 Gulden
gekauft. Am 19. September 1860 legte man Satzung und
Löschordnung fest. Bald darauf gab es den ersten Einsatz. Beim
Brand des Brennhauses in Gerharding vom 11. auf 12. Januar 1861
leistete die Löschmaschine "überraschende Dienste".
Aus der Folgezeit sind nur wenige Berichte überliefert, aber das
Interesse an der Feuerwehr muß stark nachgelassen haben, denn
die Gemeinde Pliening führte die Pflichtfeuerwehr ein. 114
Gemeindebürger sind auf der Namensliste erfaßt. Gelting jedoch
betont in verschiedenen Schreiben an Ebersberg, daß es keine
Pflichtfeuerwehr hat. So wurde am 7. September 1873 die Feuerwehr
erneut gegründet. Hauptmann wurde Josef Darchinger aus Gelting,
1. Vorstand Max Widmann (Bürgermeister) aus Pliening, 2.
Vorstand Anton Bauer (Bürgermeister), Gelting; Benefiziat Josef
Taller, Gelting, war Rettungsmann. In den folgenden Jahren
drängte das "Königliche Bezirksamt" Ebersberg immer
wieder die Gemeinde Gelting, sich doch selbst eine Feuerspritze
anzuschaffen. Doch die "Geltinger" erfanden immer
wieder neue Ausreden, was uns sehr reger Schriftverkehr beweist;
z. B. "die Entfernung von Gelting zum Feuerwehrhaus ist nur
10 Minuten, das bei Feuerausbruch leicht in 5 Minuten zu
erreichen ist". Von einem Schreiben vom 23. Juni 1875
erfahren wir, daß von Landsham nur der Feichtkrammer, Josef
Humplmayr und der Wirtssohn Ludwig Königer der Feuerwehr
beigetreten sind, andere Landshamer waren noch immer nicht dazu
zu bewegen. Aus verschiedenen Schreiben von 1875 geht hervor,
daß außer der fahrbaren 4rädrigen Spritze auch noch eine
kleinere, sehr gute Handspritze vorhanden war und eine dritte in
Gerharding stand, sowie 20 "Feuerkübel", die im
Feuerhaus Pliening-Gelting aufbewahrt wurden, ebenso die
Ausrüstung für 4 Steiger. Im Jahre 1876 wurde die gemeinsame
Wehr in Freiwillige Feuerwehr Gelting-Pliening umbenannt.
Am 17.2.1884 beschloß der Gemeinderat die Einführung eines
Bieraufschlages zur Beschaffung einer Feuerspritze, Feuerhaus
nebst Requisiten. 1884 wurde der Maurermeister Baptist Haydn aus
Markt Schwaben beauftragt, einen Plan für das
"Feuerhaus" anzufertigen und dazu eine Kostenrechnung
zu erstellen. Haydn bekam den Auftrag und erhielt die Gesamtsumme
von 1142,32 Mark, davon 250 Mark in Schuldscheinen.
Am 15. April 1885 wurde in Gelting eine eigene Feuerwehr
gegründet und bei der Fa. Justus Christian Braun in Nürnberg
eine Saug- und Druckspritze zum Preis von 1060 Mark bestellt.
Laut Rechnung der Fa. Thumhart vom 26. Juni 1885 wurden zum Preis
von 298,56 Mark Ausrüstungsgegenstände angeschafft. In den
Gaststätten in Gelting war an Tafeln angeschrieben, wer
Fuhrdienst hatte und wer Feuerreiter war. 1. Kommandant wurde
Josef Darchinger, welcher schon l2 Jahre die Leitung der
gemeinsamen Wehr Gelting Pliening innehatte.
1893-1899 folgte Mathias Kagerer
1899-1902 Johann Wolferstetter
1902-1905 Max Laurent
1905-1912 Johann Wittmann
1912-1924 Johann Burgmair
1924-1927 Josef Menth
ab 1927 Kaspar Zeilhofer
Als Vorstände fungierten:
1. Xaver Reitmeier (Bürgermeister) 1885-1887
2. Anton Huber (Bürgermeister) 1887-1918
3. Kaspar Huber (Bürgermeister) 1918-1924
4. Martin Mayer (Bürgermeister) 1924-1929
5. Johann Burgmair (Bürgermeister) 1929-1933
6. Peter Hermannsdorfer (Schneidermeister) ab 1933
Außer einer Namensliste von 1885-1934 sind keinerlei
Aufzeichnungen vorhanden, nicht einmal von der Fahnenweihe 1906.
Zur Fahne, welche 1973 restauriert wurde, sind auch keine
Fahnenbänder mehr erhalten. Wir wissen nur, daß die Wehr von
Finsing Patenverein war. Im folgenden Jahr war Gelting Pate von
Finsing.
Die "Buna", einst verkrauteter Weiher mit Quelle und
Zulauf, den sich die jungen Burschen um 1915 abgegraben und zu
einem Badeweiher zurecht gerichtet hatten, wurde 1937 mit einer
dicken Betonwand aufgestaut. Mit Ablaßschieber und Überlauf
versehen, konnte so ein wertvoller Löschweiher gewonnen werden.
Aus mündlicher Überlieferung ist bekannt, daß die Feuerwehr
Gelting in den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges harte
Einsätze an Lösch- und Aufräumungsarbeiten in München zu
leisten hatte. Teilweise fanden die Einsätze gemeinsam mit den
Plieningern statt, da Pliening eine Motorspritze Flader 600
besaß. 1945, nach dem Zusammenbruch des Zweiten Weltkrieges, der
amerikanischen Besatzung und Militärregierung, hatte Alois
Bichler die Wehr übernommen. Es war keine leichte Aufgabe. Es
mangelte an Material, sowie an Personal. Die Heimkehrer aus Krieg
und Gefangenschaft hatten nur wenig Interesse, und, wie man so
schön sagt, die Nase voll vom Drill und dergleichen. Niemand
konnte es ihnen verdenken.
1949 übernahm Franz Feist die Leitung und scharte junge Leute um
sich. So kam es, daß 1949 sogar ein l3jähriger Schulbub zum
Feuerwehrdienst ausgebildet wurde. Man war froh, überhaupt Leute
zu bekommen. Nach dem A1ter fragte niemand.
In dieser Zeit wurde die erste Motor spritze, Typ LS 15,
angeschafft. 1951 übernahm Peter van den Berg die Führung. Mit
dem "Peter" begann der Aufstieg ins neue Zeitalter und
die Aktivitäten der Wehr nahmen sprunghaft auf allen Gebieten
zu, sei es in der Ausbildung, der Beschaffung von Gerät oder des
geselligen Vereinslebens. Sicher hat auch der wirtschaftliche
Aufschwung seinen Teil dazu beigetragen. Besonderen Verdienst
erwarb sich Lorenz Maier, der 1952 zum Bürgermeister von Gelting
gewählt wurde. Denn er hatte, sowie auch die folgenden
Gemeinderäte, ein Herz für die Feuerwehr. Herr Maier verstand
es, Landrat und Kreistag immer wieder für Zuschüsse für die
kleine Gemeinde Gelting und ihre Feuerwehr zu gewinnen.
So wurde 1956 der Kauf eines Anhängers und einer
Tragkraftspritze TS 8 getätigt, 2 Löschgruppen ausgebildet und
1957 der Kreisfeuerwehrtag des Landkreises abgehalten. Im selben
Jahr wurde das erste Waldfest organisiert, dem in späteren
Jahren Gartenfeste beim "Neuwirt" in Gelting und, seit
1972 bis heute, Weinfeste im Brennereikeller folgten. Diese Feste
brachten Geld in die Kasse und somit auch Entlastung der
Gemeindekasse bis auf den heutigen Tag. Denn viele Tausende von
DM wurden in Feuerwehrausrüstung investiert, z. B. 2000 DM für
Fahnenrestaurierung, 5000 DM Zuschuß für den Kauf des
Mercedeslöschfahrzeuges, und im Jahre 1983 5000 DM für die
Anschaffung von Löschanzügen und Mänteln, um nur die
größeren Beträge zu nennen, nebst vielen Tausend
Arbeitsstunden, welche freiwillig und kostenlos für oftmalige
Umbauten der Gerätehäuser und des Floriansstüberls geleistet
wurden. 1959 wurde Jakob Huber Wehrführer und Ludwig Schuler
sein Stellvertreter. In dieser Zeit, 1961, wurde das erste Auto,
ein Ford Transit TSF, ein sog. Staffelfahrzeug für 6 Mann
Besatzung angeschafft, sowie die vorhandene TS 8 eingebaut. Der
Anschluß an die zentrale Wasserversorgung in Pliening erfolgte 2
Jahre darauf. 7 Oberflur- und 29 Unterflurhydranten konnten in
Gelting installiert werden. 1966 wurde das alte Feuerwehrhaus
abgerissen, es mußte der neuen Siedlung am "Anger"
weichen, war aber ohnehin für das neue Fahrzeug viel zu klein,
so daß das Auto in einer Traktorhalle von Jakob Huber im Jahre
1967 untergestellt war, bis zum Ausbau der Lehrer-Holzlege zu
einer Garage.
In diese Zeit fallen auch die ersten "Leistungsabzeichen", die bis heute eine feste und gar
nicht mehr wegzudenkende Einrichtung sind. Alle Jahre unterziehen
sich mindestens eine, wenn nicht gar mehrere Gruppen diesen
Tests. Der alte Brauch, Hochzeitsbäume aufzustellen, konnte zum
großen Vorteil aller abgewandelt werden, indem man jetzt lebende
Bäume in die Gärten der Hochzeitspaare pflanzte.
Josef Straßer trat 1973 die Nachfolge von Jakob Huber als
Wehrführer an. Stellvertreter blieb Ludwig Schuler.
Im Zuge der allgemeinen Gebietsreform, die 1978 abgeschlossen
sein sollte, hat sich die Gemeinde Gelting bereits zum 1. 1.1975
an die Gemeinde Pliening angeschlossen. So wurden Gelting und
Pliening zur Einheitsgemeinde Pliening verschmolzen. Außer der
Namensänderung der Gemeinde hatte es für die Geltinger
Wehrmänner keine Nachteile. Da auch der neue Bürgermeister,
Hans Loebner, sowie sein Nachfolger Josef Strigl stets ein
offenes Ohr für die Belange der Feuerwehr hatten (im Rahmen der
finanziellen Möglichkeiten, versteht sich), sowie auch kritische
Gemeinderäte die uneingennützigen Tätigkeiten zum Wohl der
Allgemeinheit, sowie den sozialen erzieherischen Wert der
Jugendausbildung erkannten, war es nicht weiter verwunderlich,
daß nach nur wenigen Jahren der Zugehörigkeit zu Pliening,
wieder Umbauarbeiten an den Schulgaragen für ein neues
Löschfahrzeug stattfanden. Mittlerweile hatte sich auch eine
Gruppe von Mädchen ausbilden lassen und Leistungsprüfungen
abgelegt. Am 9. Mai 1980 konnte Pfarrer Johann Beck die Weihe des
neuen Löschfahrzeuges Mercedes-Benz 308, sowie einer neuen TS 8
vornehmen. 2 Tage vorher bestand das Fahrzeug bereits seine
"Feuertaufe" beim Brand des Anwesens
"Neuwirt" in Pliening.
Nach über 24 Jahren Stellvertretertätigkeit legte Ludwig
Schuler 1983 das Amt nieder und übergab es in jüngere Hände,
an Anton Huber. Josef Straßer wurde am 1. 1. 1982 zum
Kreisbrandmeister berufen. Wollte man die Aufzeichnungen der
letzten 25 Jahre über die Aktivitäten der Feuerwehr, welche
stichwortartig in der Chronik verzeichnet und mit Fotos
ausgeschmückt sind, nur annähernd ausführlicher beschreiben,
so könnte man ein ganzes Buch füllen. Die Feuerwehr wurde oft
zu Einsätzen in die Nachbargemeinden gerufen: Gott sei Dank
blieb unser Ort, von kleineren Bränden, Überschwemmungen und
dgl. abgesehen, von großen Katastrophen verschont. Aus alten
Unterlagen geht hervor, daß 1853 5 Gulden an Parsdorf bezahlt
wurden, für Löschdienste in Gelting. Der Brand ist uns leider
nicht bekannt. 1882 ist die Hagmaier-Viehstallung abgebrannt.
1892 gab es einen Sakristeibrand durch Leichtsinn der
Ministranten. Am 7. 1 l. 1897 brannte das Anwesen von Ludwig
Wittmann nieder, nur das Vieh konnte gerettet werden. 1901, am
20. 9., war der rote Hahn beim Riepl, Gütler in Gelting. Die
Chronik berichtet: "Maschinen haben sich bewährt. Wasser
wurde aus 4 Brunnen entnommen. Wegen großer Trockenheit war im
Voichtmayr-Weiher kaum Wasser". 1927 wurde das
Harlacher-Anwesen eingeäschert. Im Bayerischen Staatsarchiv in
München finden sich Aufzeichnungen von Bränden im Zusammenhang
mit dem 30jährigen Krieg ( 1632 wüteten die Schweden in
Gelting), siehe Geschichte. Ferner berichtet ein Neustiftsbrief
von 1649, daß die zum Benefizium gehörige Erlmühle in
"Brandt gerathen, also daß ime das Haus weghgebrant".
In neuerer Zeit brannte es 1957 beim Gigginger durch Blitzschlag.
Am 14.8. 1971 wurde, wieder durch Blitzschlag, die Maschinenhalle
von Josef Kollmannsberger mit bereits eingebrachter Ernte ein
Raub der Flammen. In der Geltinger Au, bei Hans Hartl, brannte es
1976. Beim Dachstuhlbrand am 18. 12. 1977 bei Josef
Kollmannsberger konnte nur durch das schnelle Eingreifen der
Feuerwehr Gelting Schlimmeres verhindert werden. Am 30. 8. 1979
gab es für das Bienenhaus vom Zeilhofer in der Geltinger Au
keine Rettung, trotz schnellstem Eingreifen. Am 7.5. 1947 stand
der "Harlacher Stadl" in Gelting in Flammen; zündelnde
Kinder waren die Ursache.
Hier fand die jetzt 100jährige Doppelkolbenspritze ihren letzten
Einsatz. Trotz moderner Technik mit ihren überlegenen Vorteilen
steht die "Alte Spritzn", wie sie liebevoll genannt
wird, bei Alt und Jung hoch in Ehren. Das ist gut so, dient
gerade "sie" als Brückenschlag zu unseren Vorfahren
vor 100 oder 125 Jahren, die sich zusammengetan haben, dem
Nächsten in Not und Bedrängnis beizustehen und zu helfen, unter
dem Motto: "Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr".
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